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Die Kraft des Wassers

Der Juni sollte für uns der perfekte Einstieg in die Sommersaison 2018 werden. Im vollgepackten Auto cruisten wir unter blauen Himmel und Sonnenschein Richtung Atlantik. Die Vorfreude aufs Surfen und Paddeln stieg mit jedem gefahrenen Kilometer. Surf FM lieferte die passende Musik dazu.
Es war bereits dunkel, als wir auf dem Balkon der Wohnung sassen und mit einem kühlen Pelforth auf die Ferien anstiessen. Das einzige hörbare Geräusch waren die brechenden Wellen. Mit einem Lächeln im Gesicht schliefen wir ein und träumten vom Endless Summer.

 

Der nächste Morgen bot uns ein anderes Bild. Regen prasselte unaufhaltsam an die gläserne Fensterfront. Ein Blick auf Météo Consult Marine versprach nichts Gutes: heftige Niederschläge und kühles Wetter für die nächsten sieben Tage. Aus diesen sieben Tagen wurden schlussendlich fast drei Wochen. Der Regen hielt uns vom Surfen nicht ab. Die spezielle Stimmung auf dem Wasser ist hat etwas Mystisches an sich.

 

Was allerdings in den nächsten Tagen geschah, haben wir uns in den kühnsten Träumen nicht vorgestellt. Der Starkregen im Baskenland liessen den Adour zu einem reissenden Storm ansteigen. Alles was ihm im Weg stand wurde mitgerissen und ins Meer gespült. Die Strömung Richtung Norden transportierte das ganze Material nach Hossegor und Seignosse. In den nächsten Tagen war Surfen und Baden verboten, da es zu gefährlich war. Die Wellen respektive Shorebraeks brachten ganze Bäume, Autoteile, Gasfalschen und sogar Feuerlöscher an den Strand.

 

Das Wasser zeigte uns in diesen vier Wochen all seine Facetten: Leben und Zerstörung; Spass und Frust; Hoffnung und Verzweiflung. An manchen Tagen unterhielten wir uns mit den Surflehrern der Seignosse Surf School über das Thema Wellen, Wetter und Klima. Sie erlebten 2018 einen der regenreichsten Winter überhaupt. Auch diese Region bekommt die Auswirkungen vom Klimawandel direkt zu spüren.

 

 

Als ich eines morgens vor dem Surfen aufs Meer schaute kam mir ein Zitat von Hubert Reeves in den Sinn: Der Mensch ist die dümmste Spezies! Er verehrt einen unsichtbaren Gott und tötet eine sichtbare Natur, ohne zu wissen, dass diese Natur, die er vernichtet, dieser unsichtbare Gott ist, den er verehrt.

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